Unternehmerabend 2017

Vom Um­gang mit Sta­chel­schwei­nen

Schwester Teresa Zukic spricht beim Unternehmerabend in Ertingen über Kränkungen

Auf Einladung der Michel-Buck-Gemeinschaftsschule, die in Zusammenarbeit mit dem BDS Ertingen, den Gemeinden Ertingen und Herbertingen sowie dem Herbertinger Gewerbeverein erneut zum Unternehmerabend geladen hatte, war Schwester Teresa Zukic zu Gast in Ertingen. Über einen Auftritt in der TV-Show "Schreinemakers live" 1992 bekannt geworden, war die weltoffene Nonne, die auch gern mal mit dem Skateboard unterwegs ist, Gast in vielen Talkrunden und Shows oder wurde als Rednerin gebucht.

Nach der musikalischen Einstimmung seitens der Schülerband sprach Zukic unter dem Titel "Jeder ist normal, bis du ihn kennst" über Kränkungen und wie man mit ihnen umgehen kann. Menschen, die kränken, verglich sie mit Stachelschweinen - Einzelgängern, die angreifen, wenn sie sich bedroht fühlen. "Unsere Stacheln heißen anders", sagte sie, Vorurteil oder Neid etwa. Die hatte sie selbst zu spüren bekommen, als sie feststellen musste, dass ein sehr enger Freund sie belog. "Warum verletzen sich Menschen?", fragte sie sich und fand eine relativ simple Antwort: "Verletzte Menschen verletzen."

Zudem habe sie schmerzlich lernen müssen, dass es nicht nur denjenigen gebe, der kränkt, sondern auch denjenigen, der das zulässt. Aber, so lautete die Botschaft an die Gäste in Ertingen, Kränkungen könne man überwinden. "Gekränkt sein ist keine Schwäche, aber Sie entscheiden, ob Sie's sind und wie lange."

Von großer Bedeutung seien dabei die eigenen Gedanken, die wiederum beeinflussen, was man fühle. Wie so oft in ihrem Vortrag, nannte sie auch hier ein passendes Beispiel, um auf humorvolle Art das Ganze zu verdeutlichen: Wer einem Menschen mit unfreundlichem Gesicht begegne und das auf sich beziehe, fühle sich gekränkt. Genausgut könne man aber auch denken: "Ach, was hat der denn so schlechte Laune!"

Trotzdem werde man manche Kränkungen nicht los, erklärte Zukic und sprach dabei auch wieder aus eigener Erfahrung. In so einem Fall sei Vergebung ein weiterer wichtiger Schritt. "Das ist nicht einfach, aber es kostet so viel Lebensenergie einander böse zu sein." Angesichts der Tatsache, dass jedem Menschen nur eine begrenzte Lebenszeit zur Verfügung steht, fragte die Ordensfrau ins Publikum: "Worauf warten wir noch?"

Als katholische Nonne, die zuerst den Vinzentinerinnen angehörte und später dann eine eigene Gemeinschaft gründete, streute Zukic immer wieder Vergleiche mit biblischen Persönlichkeiten und Geschichten ein - blieb dabei aber angenehm unaufdringlich. Etwa, wenn sie als Handreichung zur Lösung von Konflikten auf Jesus' Bergpredigt verwies: 1. geh hin, 2. zu dem Bruder/zu der Schwester, 3. unter vier Augen, 4. stell ihn zur Rede, 5. mit dem Ziel, sich zu versöhnen. Und wenn auch das nicht helfe, gebe es noch den Humor. "Warum immer weinen, warum nicht mehr lachen?", fragte Zukic.

Hausaufgaben aufgegeben

Um ihre These, dass eine positive Einstellung im Umgang mit anderen Menschen auch zu positiven Gefühlen führt, zu untermauern, führte sie eine Studie der US-amerikanischen Eliteuniversität Harvard an. Demnach werden Menschen, die zwar ungesund, aber in Gemeinschaft mit anderen leben, älter, als solche, die gesund, aber alleine leben. Zukic brach das auf folgende Regel herunter: "Lieber in Gemeinschaft Schokoladenkuchen essen, als alleine Rosenkohl."

Ihr Publikum entließ die Schwester aber nicht, ohne ihm Hausaufgaben aufzugeben. "Wenn Sie heimkommen, drücken Sie den Menschen, der auf Sie wartet, ganz fest. Und morgen lächeln Sie einen Wildfremden an."

Wie jedes Jahr durften die Neuntklässler, die die beste Projektprüfung abgelegt hatten, ihre Arbeit zum Abschluss des Unternehmerabends präsentieren. Die drei jugendlichen hatten sich eine Woche lang mit dem Thema "Erneuerbare Energien" auseinandergesetzt. Herbertingens Bürgermeister Magnus Hoppe bedankte sich anschließend nochmal bei Schwester Teresa Zukic für ihren Vortrag, der nachdenklich gemacht, aber auch sehr berührt habe.

Weitere Informationen über Schwester Teresa Zukic gibt es unter

www.schwester-teresa.de


Michel-Buck-Gemeinschaftsschule