Schuljahr 2019/2020

„Wissenschaftlich gesehen wären die wichtigsten Schulfächer Musik, Sport, Theaterspielen, Kunst und Handarbeit“                                                                                                                  

Manfred Spitzer, Hirnforscher

Der Begriff Digitalisierung ist in aller Munde. Ständig wird über die Digitale Revolution berichtet und sogar die Bundeskanzlerin äußerte den Verdacht, dass Deutschland den Anschluss an die Digitalisierung verpassen könnte. Digitalisierung als Trend wird schon lange als Schlagwort benutzt, um neben dem demographischen Wandel und den Wertvorstellungen der Generation Y auf die Veränderungen in der Gesellschaft aufmerksam zu machen.

Digitalisierung beschreibt, grob gesagt, die Umwandlung analoger Werte oder Daten in ein digital nutzbares Format. Als stark vereinfachtes Beispiel: Wenn Sie bisher Ihren Einkaufszettel von Hand geschrieben haben, jetzt aber auf eine App für Einkaufszettel umsteigen und die Einkäufe nun ins Handy eingeben, dann haben Sie Ihren Einkaufszettel digitalisiert. Leider bleibt Digitalisierung auch oft auf dieser Umwandlungsstufe stehen und nutzt lediglich für den gleichen Arbeitsschritt digitale Medien. Dabei könnte man prinzipiell mit digitalisierten Daten wesentlich mehr machen. Bei meinem Einkaufzettel-Beispiel könnten Sie sich bspw. mit Familienmitgliedern vernetzen, damit keiner etwas doppelt kauft und man gegenseitig Zeit spart. Außerdem könnte Ihre App mit dem Kühlschrank vernetzt sein und Ihnen direkt melden, welche Lebensmittel noch vorhanden sind und was Sie wirklich brauchen und die App könnte Ihnen anzeigen, wo Sie welche Lebensmittel kaufen können und ob diese gerade vorrätig sind. Oder der Kühlschrank könnte Ihnen Vorschläge schicken, was Sie aus den vorhandenen Lebensmitteln kochen könnten. An diesem anschaulichen Beispiel wird auch deutlich, warum mittlerweile auch Politiker in Deutschland Angst davor haben, dass wir den Anschluss ans digitale Zeitalter verpassen. Denn viele Firmen und auch Privatpersonen nutzen Digitalisierung nicht in der Form, wie sie genutzt werden könnte. Die Digitale Revolution, die wir gerade durchmachen, dürfte aber vergleichbar sein mit der Industriellen Revolution im 19. Jahrhundert. Wir werden dieser Entwicklung wahrscheinlich nicht mehr entkommen, es ist nur noch die Frage, ob wir daran teilhaben und unsere Chancen nutzen oder ob wir den Anschluss verpassen und daran zugrunde gehen.

Eigentlich betrifft diese Entwicklung alle Lebensbereiche. Unsere Freundschaften und unsere private Kommunikation laufen mittlerweile digital ab über WhatsApp, Facebook, Twitter, Youtube usw., ebenso wie unsere Einkäufe, egal ob Lebensmittel, Technik oder Kleidung. Auch die Arbeitsabläufe innerhalb von Unternehmen werden immer stärker digitalisiert. Beispielsweise werden keine Listen mehr geführt, sondern bestenfalls Produktbestände oder Produktionsketten digital überwacht und mithilfe von Sensoren, Scannern und Codes verfolgt und kontrolliert.

Die Digitalisierung führt also dazu, dass sich unsere Arbeitswelt verändert. Einerseits wird die menschliche Arbeitskraft in vielen Bereichen unwichtiger. Andererseits haben wir die Möglichkeit, viel flexibler und ortsunabhängiger zu arbeiten. Alles was wir dazu brauchen, sind meistens nur ein guter Internetanschluss und ein Computer.

Allerdings führt die zunehmende Digitalisierung unseres Lebens auch dazu, dass wir nicht immer auf dem neusten Stand sind und uns teilweise überfordert fühlen. Immer öfter gibt es mittlerweile Berichte über digitale Burnout-Syndrome, Verlust der kognitiven Fähigkeiten und Grundkompetenzen gerade bei Kindern und es entstehen Angebote zum Digital Detox, also zum „Abschalten“ im doppelten Wortsinn. Es stellt sich zunehmend die Frage, wie viel Digitalisierung eigentlich gut für uns ist.

Die großen Herausforderungen des Digitalen Zeitalters sind also eine sehr gute Netzdeckung, große Datenspeicher, sehr gute Backups, ständiger Computersupport, ständige Verfügbarkeit oder Speicherung von Strom, aber auch eine Strategie zum „Abschalten“ und gesund bleiben.

Die Digitalisierung prägt und verändert zunehmend das Leben und Arbeiten der Menschen in unserem Land wie auch in der ganzen Welt. Schulen sind zentrale Orte der Bildung und Erziehung und deshalb müssen die jungen Menschen hier die Kenntnisse und Fähigkeiten erwerben, um sich reflektiert und auf einer gesicherten Informationsbasis in der Lebens- und Arbeitswelt von heute und morgen bewegen zu können. Auf dem Weg in die digitale Zukunft gilt für den Schulbereich der eindeutige Grundsatz: Die Technik muss der Pädagogik folgen. Nur mit einem guten pädagogischen Konzept und entsprechend qualifizierten Lehrkräften kann die digitale Technik ihr Potenzial im Unterricht voll entfalten, ohne Einbußen bei den elementaren Fähigkeiten hinnehmen zu müssen. Gleichzeitig bieten aktuelle digitale Technologien zahlreiche neue pädagogische Chancen und Ansatzmöglichkeiten, um Schulunterricht wirksamer zu gestalten, zu bereichern und individualisierte Lernprozesse zu erleichtern.

Was Schule auf keinen Fall versäumen darf, ist die Bildung der Seele und des Herzens. Nur so können unsere Heranwachsenden von innen heraus die Konfrontationen mit den digitalisierten Frequenzen in ein für sie gutes Gleichgewicht bringen. Deshalb fühle ich mich darin sehr bestärkt, unseren Schülerinnen und Schülern im Unterrichtsalltag im Fach GPS, im Kunst-, Musik- und Sportunterricht und in den wertvollen Kooperationen mit der Seebühne Bregenz, dem Jungen Kunsthaus Bad Saulgau und dem Kloster Sießen Impulse für die Entwicklung von Kreativität und Wertvorstellungen zu geben und erfüllende Lebensbereiche ohne digitale Technik zu zeigen.

Ich wünsche uns allen ein erfolgreiches und gutes Schuljahr 2019/2020.

Herzlichst,

Ihr Markus Geiselhart

Michel-Buck-Gemeinschaftsschule